- Rechne nicht mit Quadratmetern, sondern mit Raumvolumen: Fläche mal Deckenhöhe mal gewünschter Luftwechsel ergibt die benötigte Reinigungsleistung in m³/h.
- Die Raumgrößenangabe im AHAM-Verifide-Programm beruht laut AHAM auf 4,8 Luftwechseln pro Stunde – wer mehr Luftwechsel will, braucht ein größer dimensioniertes Gerät.
- „HEPA“ ist in Europa über EN 1822 definiert: H13 erreicht mindestens 99,95 % Abscheidegrad am MPPS, die Klassen E10 bis E12 sind EPA-Filter und keine HEPA-Filter.
- Aktivkohle wirkt gegen Gerüche und Gase, sättigt sich aber unabhängig vom Partikelfilter – die Wechselintervalle beider Stufen bestimmen deine Folgekosten.
- Laut Umweltbundesamt ersetzen mobile Luftreiniger das Lüften nicht, weil sie CO2 und Wasserdampf nicht aus der Raumluft entfernen.
Was der CADR-Wert misst – und was er nicht sagt
Der CADR (Clean Air Delivery Rate) stammt aus dem US-Prüfverfahren ANSI/AHAM AC-1. Er beschreibt laut AHAM das Volumen gereinigter Luft, das ein Gerät liefert, und wird getrennt für Tabakrauch, Pollen und Staub angegeben. Ein hoher CADR bedeutet also nicht „bessere Filterung“, sondern schnellere Umwälzung sauberer Luft.
Wichtig ist der Bezug zur Raumgröße. AHAM weist darauf hin, dass die auf dem Verifide-Label empfohlene Raumgröße auf 4,8 Luftwechseln pro Stunde basiert und dass die US-Umweltbehörde EPA denselben Wert nennt. Dasselbe Gerät liefert im kleinen Zimmer viele Luftwechsel, im großen Raum entsprechend wenige.
In Europa sind CADR-Angaben seltener und werden häufiger als Luftumwälzung in m³/h genannt. Achte darauf, in welcher Einheit gerechnet wird: CADR-Werte in cfm musst du mit rund 1,7 multiplizieren, um auf m³/h zu kommen. Auch die US-Faustregel „CADR mindestens zwei Drittel der Raumfläche“ von AHAM bezieht sich auf Quadratfuß und ist nicht direkt auf Quadratmeter übertragbar.
- CADR wird je Schadstoffart gemessen – vergleiche immer denselben Teilwert zweier Geräte.
- Prüfwerte entstehen in einer genormten Kammer, nicht in deinem möblierten Raum mit Vorhängen und Nischen.
- Fehlt eine CADR-Angabe, ist die maximale Luftumwälzung in m³/h die nächstbeste Vergleichsgröße.
- Der höchste Wert gilt fast immer für die lauteste Stufe.
So rechnest du Raumvolumen und Luftwechsel selbst durch
Der Rechenweg ist kurz: Grundfläche mal Deckenhöhe ergibt das Raumvolumen, multipliziert mit dem gewünschten Luftwechsel pro Stunde ergibt sich die nötige Reinigungsleistung. Ein Zimmer mit 20 m² und 2,5 m Höhe hat 50 m³; bei vier Luftwechseln brauchst du 200 m³/h, bei sechs Luftwechseln 300 m³/h. Diese Rechnung ist reine Arithmetik und ersetzt keine Messung, sie zeigt aber sofort, ob eine Herstellerangabe plausibel ist.
Als Referenz für eine hohe Anforderung dient die Einschätzung des Umweltbundesamts zu dicht belegten Klassenräumen: Dort wird eine Reinigungsleistung von mindestens dem sechsfachen Raumvolumen pro Stunde gefordert, bei 200 m³ Raumvolumen also mindestens 1.200 m³ pro Stunde. Der Text bildet den Stand vom Februar 2021 ab; das UBA verweist auf seiner Seite auf die aktualisierte Einschätzung.
Für Wohnräume ohne Infektionsschutz-Ziel liegt der sinnvolle Bereich niedriger, aber das Prinzip bleibt: Die Angabe „für bis zu X m²“ sagt erst etwas aus, wenn du weißt, welcher Luftwechsel und welche Deckenhöhe dahinterstecken. Offene Wohnküchen oder Räume mit Durchgang zum Flur behandelst du rechnerisch besser als ein größeres Volumen.
- Volumen = Länge × Breite × Deckenhöhe; Altbauhöhen von 3 m und mehr erhöhen den Bedarf deutlich.
- Rechne mit der Leistung auf der Stufe, die du tatsächlich nutzen wirst – nicht mit dem Maximalwert.
- Bei offenen Grundrissen das angrenzende Volumen mit einbeziehen oder zwei kleinere Geräte prüfen.
- Herstellerangaben ohne genannten Luftwechsel sind für den Vergleich unbrauchbar.
Filteraufbau: echter HEPA, Kombifilter und Aktivkohleanteil
In Europa ist der Begriff über die Norm EN 1822 fassbar. Sie definiert die Klassen E10 bis U17 und klassifiziert am MPPS, also bei der Partikelgröße mit dem geringsten Abscheidegrad, typischerweise im Bereich 0,1 bis 0,3 µm. Ein H13-Filter erreicht dort mindestens 99,95 %, und die aktuelle Fassung EN 1822-1:2019 verweist für die Prüfverfahren auf die Normreihe ISO 29463. Entscheidend für dich: E10 bis E12 sind EPA-Filter, nicht HEPA. Formulierungen wie „HEPA-Typ“ oder „HEPA-ähnlich“ sind keine Klassenangaben.
Das Umweltbundesamt empfiehlt für mobile Filtergeräte hocheffiziente Filter der Klassen H13 oder H14, weil nur diese die durch das Gerät geführte Luft weitgehend partikelfrei abgeben. Für Feinstaub, Pollen und Tierhaarallergene ist damit die Partikelstufe das Kernbauteil.
Gegen Gerüche, Rauch und flüchtige organische Verbindungen hilft der Partikelfilter nicht – dafür ist Aktivkohle zuständig. Hier lohnt der Blick auf die Bauform: eine dünn beschichtete Matte hat eine deutlich geringere Kapazität als eine Granulat- oder Pelletschicht. Herstellerangaben zur Kohlemenge sind der einzige belastbare Anhaltspunkt; fehlen sie, kannst du die Wirkdauer nicht abschätzen.
Bei Geräten mit Ionisation oder Plasma weist das UBA darauf hin, dass aufgrund des physikalischen Prinzips Ozon entstehen kann, und empfiehlt, beim Hersteller nachzufragen, ob Ozon in den Innenraum gelangen kann. Den Einsatz von UV-C-Quellen im nicht gewerblichen Bereich sieht das UBA aus Sicherheitsgründen kritisch, eine gezielte Ozonbehandlung der Raumluft lehnt es ab.
- Filterklasse suchen (H13/H14 nach EN 1822), nicht Marketingbegriffe.
- Kombifilter bündeln Vorfilter, Partikelfilter und Kohle in einer Kassette – bequem, aber du wechselst immer alles gleichzeitig.
- Separat wechselbare Stufen erlauben, nur die gesättigte Kohle zu tauschen.
- Waschbare Vorfilter verlängern die Standzeit des Partikelfilters, ersetzen ihn aber nicht.
- Zusatztechniken wie Ionisation nach möglichen Nebenprodukten beurteilen.
Folgekosten: Ersatzfilter, Wechselintervall und Stromverbrauch
Der Kaufpreis ist nur der Einstieg. Rechne mit dem Preis der Ersatzfilter mal der Zahl der Wechsel pro Jahr, hochgerechnet auf drei bis fünf Jahre Nutzung. Das Umweltbundesamt nennt je nach Staub- und Partikelbelastung ein halbes bis ein Jahr Standzeit für die Filter – bei Wohnung an einer Hauptstraße oder mit Haustieren eher am kurzen Ende. Ein günstiges Gerät mit teurem Proprietärfilter kann so über die Nutzungsdauer teurer werden als ein höherpreisiges mit gut verfügbaren Filtern.
Beim Strom hilft dieselbe Methode: Leistungsaufnahme in Watt auf der genutzten Stufe, mal Betriebsstunden pro Tag, mal 365, geteilt durch 1.000 ergibt die Kilowattstunden pro Jahr, die du mit deinem eigenen Arbeitspreis multiplizierst. Nimm nicht die maximale Leistungsaufnahme, sondern die der Stufe, auf der das Gerät im Alltag läuft. Die Watt-Angabe je Stufe steht meist im Datenblatt oder in der Bedienungsanleitung.
Ein oft übersehener Punkt ist die Verfügbarkeit der Ersatzfilter. Bei Modellen kurz vor dem Auslaufen oder bei Nischenmarken kann der passende Filter Monate später schwer zu bekommen sein. Auf LagerAlarm.eu werden Preise und Verfügbarkeiten laufend erhoben – prüfe dort vor dem Kauf nicht nur das Gerät, sondern auch den zugehörigen Filter.
Vorsicht bei Nachbaufiltern: Sie senken die Folgekosten, tragen aber nicht zwangsläufig eine Klassenangabe nach EN 1822. Ohne Filterklasse weißt du nicht, welchen Abscheidegrad du nach dem Wechsel noch hast.
- Kaufpreis + Filterkosten über 3 bis 5 Jahre + Strom = die Zahl, die du vergleichen solltest.
- Zahl der Filterstufen prüfen: drei Einzelfilter bedeuten drei Ersatzteilpreise.
- Filterwechsel-Anzeigen laufen oft nach Betriebsstunden, nicht nach echter Beladung.
- Ersatzfilter-Preis und -Verfügbarkeit vor dem Gerätekauf recherchieren.
- Stromkosten mit der real genutzten Stufe rechnen, nicht mit der Maximalstufe.
Auswahl nach Nutzungsfall: Pollen, Feinstaub, Gerüche, Schlafzimmer
Der passende Reiniger hängt weniger vom Marktsegment ab als von der Belastung, die du reduzieren willst. Bei Pollen und Hausstaub dominiert die Partikelstufe, bei Küchen- und Tiergerüchen die Kohlestufe, im Schlafzimmer die Geräuschentwicklung bei der benötigten Leistung.
Für Allergikerinnen und Allergiker ist der Aufstellort ebenso wichtig wie die Kennzahl: freie Luftansaugung, nicht in die Nische oder hinter das Sofa, und Betrieb bei geschlossenem Fenster während der Hauptflugzeiten. Zur Jahreszeit Ende Juli passt der Hinweis, dass der Spätsommer für Beifuß- und Ambrosia-Allergien relevant bleibt, während Hausstaubmilben- und Feinstaubthemen mit der Heizperiode zunehmen.
Ein Punkt bleibt unabhängig vom Nutzungsfall bestehen: Nach Einschätzung des UBA können mobile Geräte das Lüften allenfalls ergänzen, da sie weder CO2 noch Wasserdampf entfernen. Wer den Reiniger als Ersatz für Frischluft einplant, löst das Problem nicht.
- Allergie und Pollen: Partikelfilter der Klasse H13/H14, Leistung für vier bis sechs Luftwechsel im Schlaf- oder Wohnraum, Dauerbetrieb während der Flugzeit.
- Feinstaub an Hauptstraßen: hohe Leistungsreserve, robuster Vorfilter und kurze Wechselintervalle einkalkulieren; Fensterlüftung zeitlich verlagern.
- Küchen- und Tiergerüche: nennenswerter Aktivkohleanteil, möglichst separat wechselbar; ein reiner Partikelfilter bringt hier wenig.
- Schlafzimmer: gefordertes m³/h muss auf einer leisen Stufe erreicht werden – prüfe die dB(A)-Angabe genau zu dieser Stufe, dazu abschaltbare LEDs und Signaltöne.
- Kinderzimmer und Dauerbetrieb: Geräte ohne Ozon-Nebenprodukte bevorzugen und Herstellerangaben dazu einholen.
Checkliste für den Vergleich vor dem Kauf
Arbeite die Liste in dieser Reihenfolge ab: erst die Dimensionierung, dann der Filteraufbau, zuletzt die Kosten. Wenn die Reinigungsleistung nicht zum Raum passt, helfen auch der beste Filter und der niedrigste Filterpreis nichts.
Notiere dir die Werte für zwei bis drei Kandidaten in einer einfachen Tabelle. Erst im direkten Nebeneinander fällt auf, wenn ein Modell die Raumgröße nur auf der lautesten Stufe schafft oder wenn der Filtersatz fast die Hälfte des Gerätepreises kostet.
- Raumvolumen berechnet und mit dem gewünschten Luftwechsel multipliziert.
- Reinigungsleistung des Geräts auf der real genutzten Stufe dokumentiert.
- Filterklasse nach EN 1822 belegt (H13 oder H14) statt „HEPA-Typ“.
- Aktivkohle vorhanden, Menge oder Bauform angegeben, separat wechselbar.
- Preis, Bezeichnung und Verfügbarkeit des Ersatzfilters notiert.
- Leistungsaufnahme in Watt je Stufe und daraus Jahreskosten überschlagen.
- Lautstärke in dB(A) genau zur benötigten Stufe geprüft.
- Zusatzfunktionen wie Ionisation auf möglicherweise entstehendes Ozon hinterfragt.
Häufige Fragen
Welche Reinigungsleistung brauche ich für einen Raum mit 20 m²?
Rechne über das Volumen: 20 m² bei 2,5 m Höhe sind 50 m³. Für vier Luftwechsel pro Stunde brauchst du rund 200 m³/h, für sechs Luftwechsel rund 300 m³/h. Entscheidend ist, dass das Gerät diesen Wert auf der Stufe erreicht, die du im Alltag nutzt – nicht nur auf der lautesten.
Was bedeutet die Angabe „geeignet für bis zu X m²“ genau?
Sie ist eine Umrechnung aus der Reinigungsleistung und setzt eine Deckenhöhe und einen Luftwechsel voraus, die nicht immer genannt werden. Laut AHAM basiert die empfohlene Raumgröße im Verifide-Programm auf 4,8 Luftwechseln pro Stunde. Wenn Hersteller mit weniger Luftwechseln rechnen, fällt die genannte Fläche größer aus.
Ist H13 oder H14 nötig, oder reicht ein E12-Filter?
Nach EN 1822 sind erst H13 und H14 HEPA-Klassen; H13 erreicht am MPPS mindestens 99,95 %. E10 bis E12 sind EPA-Filter mit geringerem Abscheidegrad. Das Umweltbundesamt empfiehlt für mobile Filtergeräte H13 oder H14. Bezeichnungen ohne Klassenangabe sagen nichts über die Leistung.
Wie oft muss der Filter gewechselt werden?
Das Umweltbundesamt nennt je nach Staub- und Partikelbelastung ein halbes bis ein Jahr. In staubigen Umgebungen, an Hauptstraßen oder mit Haustieren liegt das Intervall eher am kurzen Ende. Aktivkohle sättigt sich unabhängig davon; wenn Gerüche zurückkommen, ist die Kohlestufe erschöpft, auch wenn die Anzeige noch nichts meldet.
Wie berechne ich die Stromkosten eines Luftreinigers?
Leistungsaufnahme in Watt auf der genutzten Stufe mal Betriebsstunden pro Tag mal 365, geteilt durch 1.000, ergibt den Jahresverbrauch in kWh. Diesen multiplizierst du mit dem Arbeitspreis deines Tarifs. Die Watt-Werte je Stufe findest du im Datenblatt oder in der Anleitung – nicht die Maximalangabe verwenden.
Ersetzt ein Luftreiniger das Lüften?
Nein. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts entfernen mobile Geräte weder CO2 noch Wasserdampf aus der Raumluft und können Lüftungsmaßnahmen daher allenfalls ergänzen, nicht ersetzen.
Quellen
Dieser Beitrag stützt sich auf die folgenden öffentlich zugänglichen Angaben. Preise und Verfügbarkeiten ändern sich laufend – prüfe sie unmittelbar vor einer Kaufentscheidung direkt beim Händler.
- Umweltbundesamt: Mobile Luftreiniger – nur als Ergänzung zum Lüften sinnvoll (Filterklassen H13/H14, Luftwechsel, Filterstandzeit, Ozon und UV-C)
- AHAM Consumer Blog: The ABCs of IAQ (CADR, ACH, Raumgrößenangabe auf Basis von 4,8 Luftwechseln)
- EN 1822: Filterklassen E10 bis U17, MPPS-Prinzip, Verweis auf ISO 29463


